Viele unserer Geschäfte im Alltag werden heute bereits digital erledigt, so laufen die meisten Bankgeschäfte wie z.B. Überweisungen weitgehend elektronisch ohne Papierkram ab. Im Gegensatz dazu bekommen gesetzlich Versicherte derzeit noch ca. 500 Millionen Rezepte pro Jahr auf Papier, was aus Umweltschutzgesichtspunkten und Effizienz wenig sinnvoll erscheint. Zudem wird bei ärztlichen Beratungen gerade seit Beginn der Corona-Pandemie immer öfter die Videosprechstunde abgehalten.

Somit rückt die Ausstellung des elektronischen Rezepts wieder in den Mittelpunkt. Ursprünglich sollte bereits zum 1. Januar 2022 eine verpflichtende Einführung des sog. E-Rezepts in Deutschland starten, was aber im Folgenden durch das Bundesgesundheitsministerium aufgrund verschiedener Unstimmigkeiten verschoben wurde. Nun besteht seit dem 1. September 2022 die grundsätzliche Verpflichtung von Apotheken, in der Lage zu sein, elektronische Rezepte annehmen und bearbeiten zu können. Das Problem: Viele Arztpraxen erfüllen noch nicht die technischen Voraussetzungen zur Umsetzung. Daher läuft derzeit in der Region der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe ein räumlich begrenzter, stufenweise ablaufender “Rollout“, mit dem das E-Rezept getestet wird. Sobald die festgelegten Qualitätskriterien eingehalten werden, starten weitere KV-Regionen mit dem Rollout. Abschließend ist dann (zeitnah) die flächendeckende Nutzung des digitalen Rezepts geplant.

Der Ablauf sieht vor, dass Ärzte demnach das E-Rezept an eine auf dem Smartphone installierte App senden. Um diese in einer Apotheke (stationär oder online) einzulösen, benötigt der Patient  lediglich die elektronische Gesundheitskarte mit Zugangsnummer und PIN. Für Menschen ohne Smartphone gibt es einen ausgedruckten Barcode. Auch das Papierrezept verschwindet selbstverständlich nicht sofort und kann weiterhin eingelöst werden.

Ziele der neuen Verfahrensweise sind vor allem Abläufe in Arztpraxen und Apotheken zu vereinfachen, die Behandlung mit Medikamenten sicherer zu machen und überflüssige Zettelflut zu vermeiden. So kann ein Medikationsplan mit Wechselwirkungsüberprüfung sicherstellen, ob verschiedene Arzneien miteinander kombinierbar und verträglich sind. Allerdings gilt es auch die notwendige, umfangreiche Infrastruktur zur Datensicherung und die Schwierigkeiten mit der Handhabung bei älteren und nicht-technikaffinen Menschen zu berücksichtigen. In jedem Fall sollte daher darauf geachtet werden, die unverzichtbare erklärende und beratende Funktion des Apothekers in Anspruch zu nehmen – denn auch hier besteht die Sorge, dass dies nur noch eingeschränkt der Fall sein könnte. Gerade im Hinblick darauf, dass der Kontakt zum Arzt gegebenenfalls deutlich verkürzt ist (siehe u.a. Videosprechstunde oben) und Fragen zu verschriebenen Medikamenten nicht umfassend beantwortet werden könnten, kommt der Rolle des Apothekers vor Ort aber eine besondere und stärkere Bedeutung zu. Patienten sollten sich bewusst sein, dass der Rolle des Apothekers vor Ort durch den gegebenfalls deutlich verkürzten Kontakt zum Arzt (siehe z.B. Videosprechstunde) eine besondere, gestärkte Bedeutung und Verantwortung im Hinblick auf verschriebene Arzneimittel zukommt.

Wenn Sie Fragen zur Einführung oder zur Einlösung des E-Rezepts haben, dann wenden Sie sich gerne an uns. Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.